Prag, wir kommen!

September 16, 2007 at 9:47 nachmittags (Ankunft, Prag, Seminar)

Wir Tschechen hatten nur eine relativ kurze Reise vor uns; innerhalb von 7 Stunden sollten wir von Hirschluch über Berlin nach Prag kommen. Im Grunde hat auch alles wunderbar geklappt, trotz unserer völligen Überladung mit Koffern, Taschen und Rucksäcken. Es gab zwar eine Panne mit dem Aussteigen am richtigen Bahnhof, doch dank Stania, unserer Länderbeauftragten, ist dann doch alles gut gegangen.

Wir sind hier in einem koreanisch-tschechien Gemeindehaus(?) untergebracht, mit einer Selbstversorgerküche, in die wir leider heute Morgen nicht rein konnten, weil dort ein Kindergottesdienst war. Leider können wir jetzt am Mittag immer noch nicht rein, weil dort ein Gemeindemittagessen ist. Das uns niemand gesagt und so lngsam bekommen wir wirklich Hunger… Und in einer Viertelstunde geht unser Sprachkurs weiter. Man hat es nicht leicht als Freiwilliger. [Nachtrag 23:40: Wir konnten aus dem gleichen Grund auch nicht in die Küche, um ins Internet zu kommen. Deswegen kann ich das Ganze erst jetzt einstellen.] Dafür konnten wir heute zum ersten Mal seitdem wir von zu Hause los sind weinmal ausschlafen. Ich hoffe, dass wir ab jetzt etwas fitter sind.

In der letzten Woche haben wir uns vor allem mit unserem Projektland Tschechien beschäftigt, zusammen mit 7 Freiwilligen des Freien Diakonischen Jahres im Ausland, sodass wir im Moment zu siebzehnt sind. Leider bin ich die Einzige, die ein Projekt im Bereicht der historischen Bildung hat, alle Anderen arbeiten mit Alten, Behinderten oder sozial Benachteiligten.

 

Besonders beeindruckend war die der Besuch eines jüdischen schabbat-Gottesdienstes mit anschließendem Schabbatmahl am Freitagabend. Der Gottesdienst fand in der Spanischen Synagoge in Prag statt, dass ist die ganz bunte, aufwendig geschmückte. Das Ganze war eine Msichung aus Englsich, Tschechisch und Hebräisch (der Rabbiner stammt aus New York und ist der oberste Rabbi von Stockholm), sodass wir alles verstehen konnten. Der Ablauf war ganz anders, als wir es immer im Unterricht gelernt hatten, es gab keine wertvolle Thorarolle, aus der dann die Männer vorlasen. Wir waren eben in einer liberalen Gemeinde, die Orthodoxen lassen ohne Weiteres keine Fremden zu.

 

Es war traurig, dass wir sowohl beim Betreten der Synagoge als auch des jüdischen Gemeindehauses nach Bomben und Waffen durchsucht wurden. Ich stelle es mir furchtbar vor, dass man sich so bedroht fühlen muss.

 

Gestern fing dann auch unser Sprachkurs an. Elf Stunden der insgesamt zwanzig haben wir nun schon hinter uns, der Rest steht noch aus. Tschechisch ist wirklich keine leichte Sprache, aber zum Glück ist Lenka, unsere Lehrerin, ziemlcih kreativ. Das ganze nennt sich Sprachanimation und macht wirklich Spaß.

Wir waren hier in Prag, wie auch zuvor in Hirschluch, fast völlig von der Außenwelt abgeschnitten, bis Rahel in unserer Küche ein offenes WLAN-Netz entdeckte. Seitdem kämpfen wir Siebzehn um die zwei Laptops mit WLAN. Zum Glück ist mein Rechner einer davon und ich habe gewisse Vorrechte. Trotzdem komme ich erst jetzt wieder zum Schreiben, wo alle Anderen schon im Bett sind. Das werde ich jetzt auch tun. Gute Nacht! Dobrou noc!

   

 

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Auf nach Tschechien! – Noch nicht ganz…

September 15, 2007 at 9:28 nachmittags (Hirschluch, Seminar)

Seit zwei Jahren war mir schon klar, dass ich gerne nach Theresienstadt gehen wollte.Ich habe mich bewerben und mich scheinbar auf dem Auswahlseminar im Februar wacker genug geschlagen, um angenommen zu werden.

Ich habe ein Praktikum in meiner zukünftigen Arbeitsstelle absolviert und mir einen Förderkreis zusammengesucht. Dann ging es für drei Wochen zum World Scout Jamboree, dem Weltpfadfindertreffen, nach Großbritannien bevor es dann am 1. September hieß: Koffer packen und auf nach Brandenburg zum Vorbereitungsseminar!

Als mich die Menschen fragten, wie das denn mit meinem Dienstantritt genau sei, habe ich oft geantwortet: “Bevor ich nach Tschechien komme habe ich erst noch 10 Tage Seminar in Berlin.” Die Reaktion: “Berlin! Toll! Da hast du es aber echt super getroffen!”

Als ich dann vollbepackt mit Rucksack, Reisetasche und Laptop mit 40 Minuten Verspätung am Berliner Ostbahnhof stand und mit einer meiner Teamerinneren (ASF-Sprache für Betreuer/Seminarleiter) telefonierte, wurde mir klar, dass die Bemerkung “in der Nähe von Berlin” im letzten Brief wirklich wörtlich zu nehmen war. Das Jugendheim Hirschluch liegt bei dem brandenburgischen Dorf Storkow. Bemerkenswert ist dort lediglich die Ausstellung mir Bauten des Tour-de-France-Teufels. Doch selbst dorthin sind wir nicht gekommen. Die Abgeschiedenheit unserer Tagungsstätte wurde auch Thema eines Filmes:

Die folgenden 10 Tage waren eine tolle, aber auch anstrengende Mischung aus Lehrgängen, Workshops, Unterhaltungen, Diskussionen, Vorträgen und Projektarbeitsgruppenarbeit (kurz: PAG). Für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF), meine Trägerorganistaion, ist die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus die grundlegende Motivation, also auch ein wesentlicher Bestandteil unserer inhaltlichen Arbeit.

Für zwei Tage besuchten wir das Haus der Wannseekonferenz, wo 1942 dei “Endlösung der Judenfrage” geplant wurde, Wir trafen dort auch einen bemerkenswerten Zeitzeugen: Willi Frohwein, der Auschwitz überlebt hatte. Ich habe schon einige Zeitzeugen von ihren Erfahrungen berichten hören, aber so wie Willi Frohwein hat es noch keiner getan. In einem markanten Berliner Dialekt und mit viel Humor erzählt er seine Lebensgeschivhte. Man wusste macnchmal nicht, ob man lachen oder weinen sollte.

Wir hatten noch Gelgenheit, einen anderen bemerkenswerten Zeitzeugen zu treffen. Franz von Hammerstein war Mitbegründer von ASF. Er hat Personen getroffen, von denen wir nur im Geschichtsunterricht gehört haben. Hindenburg war der Pate eines seiner Brüder. Seinen Konfiramtionsunterricht erhielten er und seine Geschwister bei Martin Niemöller. Einer seienr älteren Brüder war Mitglied des Goerdeler Kreises, ein anderer plante mit Stauffenberg das Hitler-Attentat. Beide konnten der Verfolgung entkommen, dafür wurde der Rest der Familie verhaftet und nach Auschwitz gebracht. Als Geisel gleangte von Hammerstein später nach Regensburg, wo er im Gefängnis Dietrich Bonhoeffer traf. Er berichtete, wie Bonhoeffer den Gefangenen Hoffnung machte und half. Wenn man davon im unterricht hört, dann scheint es ewig her gewesen zu dein, aber wenn man es von einem Betroffenen hört….

Trotz dieser teilweise emotional und inhaltlich schwierigen Thametik hatten wir trotzdem eine Menge Spaß, und es tut mir sehr leid, dass ich einige der 150 Teilnehmer nie wieder sehen werde.

Mit einem lachendem und einem weinenden Auge ging es dann am 10. September auf nach Prag. Wir Tschechen waren die letzte Ländergruppe, die aufbrach, und so waren wir froh, endlich los zu können.

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Erste Nachricht

September 15, 2007 at 8:17 nachmittags (Ankunft, Einleitende Worte, Prag, Seminar)

Hallo an alle Daheimgebliebenen und Weltreisenden!

Anstatt tonnenweise EMails zu verschicken und Postfächer zuzumüllen und dabei womöglich noch Leute zu vergessen, habe ich mich einfach dazu entschieden, einen Blog zu eröffnen.

Wer mich kennt weiß, dass Updtes vielleicht etwas unregelmäßig sein könnten, deshalb erwartet nicht zu viel…

Sitze gerade in unserer Unterkunft in Prag und habe endlich mal Zeit und Gelegenheit, länger ins Internet zu gehen. Rahel, eine meiner Mitfreiwilligen, hat da ein offener W-LAN-Netz entdeckt…

Deshlab jetzt der Bericht von meiner bisherigen Reise Siegen-Hirschluch-Prag!

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